Ein tragbares Stromaggregat auf einer Wiese als Symbol für den Range Extender (REEV) im Elektroauto, mit dem Text: Der Generator an Bord – Rettung oder Ballast?

Moin! Jetzt kommen wir zu einem echten AuĂźenseiter, den viele gar nicht auf dem Schirm haben: dem Range Extender (REEV – Range Extended Electric Vehicle). Manchmal wird er auch E-REV genannt. Er ist so etwas wie der „AngstbeiĂźer“ unter den E-Autos. Aber ist er die Rettung fĂĽr die Langstrecke oder nur ein technischer Umweg?

Die Technik: Ein serieller Hybrid mit Sicherheitsnetz

Im Gegensatz zum Plug-in-Hybriden (PHEV), bei dem oft beide Motoren gleichzeitig die Räder drehen, ist der REEV ein serieller Hybrid. Das bedeutet: Die Räder werden ausschließlich vom Elektromotor angetrieben. Es gibt keine mechanische Verbindung zwischen dem Verbrennungsmotor und den Achsen.

Der Witz an der Sache: Wenn der Akku leer ist, springt ein kleiner Verbrennungsmotor (oft ein winziger Benziner) an. Dieser treibt aber nicht das Auto an, sondern einen Generator. Dieser Generator produziert Strom, der entweder direkt in den E-Motor flieĂźt oder den Akku während der Fahrt wieder ein bisschen „aufpäppelt“.

Der Vorteil: Die psychologische Wunderwaffe

Für alle, die beim Gedanken an eine leere Batterie am Deich Schweißausbrüche bekommen, ist der REEV der ultimative Backup-Plan. Du hast die Vorteile des lautlosen E-Antriebs im Alltag, aber die Gewissheit: Wenn keine Säule kommt, tanke ich zur Not einfach ein paar Liter Sprit nach und der Generator hält mich in Fahrt. Es ist quasi ein eingebautes Notstromaggregat auf vier Rädern.

Die physikalische Realität: Umwandlung kostet Kraft

Als Energieelektroniker schaue ich mir die Wirkungskette an. Und da wird es beim REEV knifflig. Wir haben hier eine mehrfache Energieumwandlung:

  1. Chemische Energie (Benzin) wird zu mechanischer Energie (Verbrennungsmotor).
  2. Mechanische Energie wird zu elektrischer Energie (Generator).
  3. Elektrische Energie wird wieder zu mechanischer Energie (Elektromotor).

Bei jedem dieser Schritte geht Energie in Form von Wärme verloren. Wenn man also dauerhaft mit dem Range Extender fährt, verbraucht man deutlich mehr Sprit, als wenn man einen effizienten modernen Diesel oder Benziner direkt antreiben würde.

Das Gewichts-Dilemma

Zudem schleppst du permanent einen kompletten Verbrennungsmotor samt Tank und Abgasanlage mit dir herum, den du im Idealfall (wenn du immer fleiĂźig lädst) gar nicht brauchst. Das sind gut und gerne 150 bis 250 Kilo Ballast, die den Wirkungsgrad des reinen Elektroantriebs im Alltag drĂĽcken.

Mein Fazit

Der Range Extender war ein genialer BrĂĽckenbauer, als die Akkus noch klein und die Ladestationen selten waren (denkt an den BMW i3 REx oder den Opel Ampera). Heute, mit Batterien, die reale 400 bis 500 Kilometer schaffen, und einem Ladenetz, das immer dichter wird, brauchen wir diesen „Sicherheitsgurt“ eigentlich nicht mehr.

Bei uns am Deich gilt: Lieber ordentlich Watt im Akku als ein knatterndes Aggregat im Heck. Wir setzen auf Effizienz, nicht auf doppelte Systeme.

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